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      <marc:subfield code="a">Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Helmuth Schönauer; #Wenn Regime um sind, kommt zuerst ein Erinnerungsloch, dann die Melancholie und irgendwann die Ironie. Man denke nur an die Sissy-Filme, die je nach Entfernung zur Geschichte alle diese Register gezogen haben. Das Thema DDR kommt gerade in den Genuss der Ironisierung, man denke nur an den Film "Goodbye Lenin", worin die Geschichte mit allen Mitteln eingefroren wird und gerade deshalb ständig ausbricht. Beim Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" handelt es sich eigentlich um einen witzigen Spielfilm. Thema ist die Riesenordnung, welche im straffest organisierten Zwergensstaat permanent hergestellt werden muss. Das ist Komödie schlechthin. Und dann gibt es als eigenständiges Projekt den Text, der knallhart die DDR abarbeitet, wie man bei Höflichkeitsbesuchen oft ein Fotoalbum aus Anstand mit einer gewissen Langsamkeit durchblättert. Schon im Titel wird die Verrücktheit der Geschichte deutlich. Als Stalin und Churchill die Grenzen Berlins ausmachten, blieb Churchill zu lange an der Zigarre hängen, so dass sich inzwischen Stalin ein kleines Fragment der Sonnenallee unter den Nagel reißen konnte. Der Erzähler seufzt nun immer wieder, dass er aus dieser Zufälligkeit am kürzeren Ende zu wohnen gekommen ist. Gespickt mit DDR-Jargon gibt es eine Liebesgeschichte zwischen Micha und  Miriam knapp an der Mauer. Vom Westen her werden die Zonis bestaunt und wie Tierchen zu besonderen Kunststücken ermuntert. Pubertät, Liebe und Politik bilden einen Kleister, der wohl in den damaligen Zeiten sinnstiftend war. Die westliche Musik, die sorgsam gepflegten Platten und die mit einem Staubsauger durch die Mauer gesaugten Nachrichten bilden die Orientierungsstränge zu einem gesellschaftlichen Schützenfest, bei dem jeder Schuss nach hinten los ging, wie es zu besonderen Anlässen trefflich gesagt wird. "Es war von vorn bis hinten zum Kotzen, aber wir haben uns prächtig amüsiert", sagen die Kids in der Retrospektive. Und das ist der versöhnliche, fast schon mega-milde Ausklang des Romans, dass eigentlich jede Zeit belanglos ist, wenn nur die Erinnerung an sie stimmt. Nach diesem Roman wird einem auch klar, warum sich die Ossis und Ösis immer schon verstanden haben. Vieles, was hier als DDR aufgearbeitet wird, wird in Österreich als aktuelle Zeitgeschichte gespielt. Im Sack der Geschichte vollführt das putzige Biedermeier große Sprünge der Erinnerung.## ---- #Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); #Autor: Inge Niederfriniger; #"Mensch, was haben wir die Luft bewegt, schrieb Micha später. Es wäre ewig so weiter gegangen. Es war von hinten bis vorn zum Kotzen, aber wir haben uns prächtig amüsiert. Wir waren alle so klug, so belesen, so interessiert, aber unterm Strich war's idiotisch. Wir stürmten in die Zukunft, aber wir waren so was von gestern. Mein Gott, waren wir komisch, und wir haben es nicht einmal gemerkt."#Komik entsteht aus Distanz und die wiederum macht den Blick frei für die Realität.#Die Realität, mit der uns Brussig in seinem schmalen Roman konfrontiert, ist von Micha, Mario und Wuschel, von Miriam und der Existenzialistin und ihren Freunden, Verwandten, Nachbarn und Bekannten bevölkert und findet am kürzeren Ende der Sonnenallee statt. Und das liegt dank Churchills Unaufmerksamkeit seiner Zigarre und Stalins einfühlsamem Verhalten seinem rauchenden Kollegen gegenüber jenseits der Mauer - oder diesseits, je nach Perspektive, auf jeden Fall: im Osten. Skurril sind hier nicht nur Michas historisch verwegene Erklärungen. Hier werden Rettungsaktionen für Liebesbriefe, die unglücklicherweise in der Todeszone gelandet sind, dadurch vereitelt, dass ein Stromausfall den Staubsauger funktionsuntüchtig macht. Hier fliegt man wegen Hungerposen vor Zone-besichtigenden Westtouristen von der Schule. Grenzer leben hier ihre imperialistischen Phantasien im allmählichen Verschieben der Kreidegrenzlinie aus (10 cm alle 2 Jahre und in 70 Mio. Jahren reicht der Osten bis zum Atlantik), während Existenzialistin und Co. durch Einschnürungs-, Perforierungs- oder Vorrückungstaktik "denen das Land unterm Arsch wegzukaufen" planen, selbst auf das Risiko hin, dass sie selbst für den Käufernachwuchs sorgen müssen. (Dass dann ihr Erstgeborenes ausgerechnet von einem Russen mit Muttermal auf der Stirn entbunden und erstgewickelt wird, sei nur nebenbei erwähnt.)#Die DDR der 70er Jahre, die Brussig darstellt, ist bunt und grotesk und schräg - wie sie sich wohl nur jemand zu zeichnen traut, der dort geboren und aufgewachsen ist. Wir "Westler" haben ja manchmal Angst, das Leben hinter dem Eisernen Vorhang anders als düsterdunkel zu sehen.#Und trotzdem - so absonderlich und fantastisch, so überzeichnet und stilisiert die Episoden sind, Komik entsteht nicht nur aus Distanz, Komik schafft auch Distanz. So gelingt es ihr oftmals besser, die Realität in ihrer Ernsthaftigkeit und wohl auch Tragik wirkungsvoller und wahrhaftiger hervortreten zu lassen als es larmoyante Mitleidsbekundungen könnten. Brussig macht mit Sprachwitz und Slapstickkomik das Hinschauen leichter und das Zuschauen unterhaltsam. Gleichzeitig öffnet er mit Sarkasmus und karikierender Pointierung den Blick dafür, dass alltäglicher Wahnsinn Wahnsinn bleibt, und das im Osten, im Westen und überall - und dass an der Erinnerung, die "beharrlich das Wunder vollbringt, einen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen, in dem sich jeder Groll verflüchtigt und der weiche Schleier der Nostalgie über alles legt, was mal scharf und schneidend empfunden wurde", sehr wohl auch gekratzt werden kann.## ---- #Quelle: STUBE (http://www.stube.at/); #Autor: gegenwärtig; #Der Roman hat eine durchaus unkonventionelle Entstehungsgeschichte: Die Basis#bildet ein Film von Leander Haußmann, dessen Drehbuch von Thomas Brussig verfasst wurde, welches er später zu einem Roman verarbeitete. Im Zentrum beider#Werke steht der Alltag des 17-jährigen Micha und seiner Freunde, die im Ostberlin#der späten 70er-Jahre aufwachsen. Sie leben genau in jener Straße, die von der Mauer samt Todesstreifen und Wachturm in Ost und West entzweit wird. Doch während diese Grundbedingungen auf die komplexe Zeit der deutschen Trennung verweisen, präsentiert sich der Roman als episodische Generationsposse. Eine Liebesgeschichte und Elemente der historischen Alltagskultur wie Musik, Kleidung und der divergente Lifestyle zwischen Ost und West bilden die tragende Atmosphäre. Die Darstellung der DDR ist dabei ambivalent: Zum einen lässt Brussig die immanenten politischen Missstände nicht unerwähnt, zum anderen aber persifliert er diese durch die Figuren selbst, wenn die Clique etwa zur Scham ihrer Mütter hungerleidende DDR-Bürger für die vorbeifahrenden Wessis spielt. Auch der Onkel aus dem Westen, der selbst legale Gummibärchen unter höchster Geheimhaltung schmuggelt, repräsentiert den parodistischen, aber ehrlichen Blick auf die einstigen Lebensverhältnisse. Deutlich wird#dies besonders dann, wenn der auktoriale Erzähler selbst auf seine Ostalgie zu sprechen kommt: "Geschichte ist nichts anderes als gestaltete Erinnerung."</marc:subfield>
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